 Doris Niespor bei einer Lesung
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Juni 2010
Alle im Vertrag sind sich einig: der Titel „die Gewandschneiderin“ muss bleiben. Ich war auch einverstanden – denen im Buch habe ich einfach nicht Bescheid gesagt – also pssst.
Julie 2010
9/10 des Romans sind geschrieben – und mir geht die Flatter. Zur Zeit recherchiere ich wie wild, aus Angst, es könnten sich irgendwo Fehler einschleichen. Wenn ich selbst historische Romane lese, bin ich großzügig; solange es dicht dran ist, passt es schon. Aber in meinem Buch?
Kleines Beispiel: es soll 1235 in Worms ein Zunftmeister auftreten (oh, ja, in Worms gab es sogar schon seit dem 12 Jhdt. Zünfte...)
Dummerweise hatte aber Bischof Heinrich auf Friedrichs Anweisung hin (1219 und 1232 initiiert) alle Zünfte in Worms 1234 (!) verboten. So, und jetzt kommt ihr.
Wie ein guter Roman entsteht, ist immer noch ein großes Geheimnis.
Einige sagen, man müsse besonders talentiert sein, um zu schreiben. Andere sagen, es sei reine Fleißarbeit und viel Handwerk.
Für mich ist Schreiben eine Mischung aus Beidem; aber es gibt noch eine Zutat, die unerlässlich ist:
Leidenschaft!
Man kann andere nur entzünden, wenn man selber brennt…
Wenn ich nach den Vorarbeiten für einen Roman in der Küche stehe und mir beim Kochen die Tränen herunterkullern, weil ich einen lieb gewonnenen Charakter sterben lassen muss, wenn ich nachts nicht schlafen kann, weil mich die Geschichte so gepackt hat, dass sie von alleine im Kopf weiterläuft, dann weiß ich,
es ist wieder Zeit zum Schreiben…
Die Gewandschneiderin - Februar 2010 (?)
Etwas Seltsames ist passiert: Der Roman macht Anstalten, sich umzubenennen.
Ja. Ich war genauso überrascht wie Sie.
Mitten im Schreiben drängte sich der Gedanke auf, dass ein anderer Titel – wie z.B.
„Gottes Urteil“
besser passt.
Nun bin ich es ja gewöhnt, dass meine Hauptfiguren nicht gerade sanft mit mir
umspringen und recht „bestimmend“ sind, aber in diesem Fall habe ich doch mal
nachgeforscht.
„Der neue Titel sei ja noch nicht endgültig“ oder: „Anna dürfe schließlich einen ganzen
Teil der Zeit nicht schneidern, da sei der Titel irgendwie
unpassend“ bekam ich zu hören. Und:
„Meine Lieblingsstelle ist aber die, wo Friedrich sagt...“
An der Stelle habe ich dann abgebrochen; wenn meine Charaktere so anfangen, ist mit
denen sowieso nicht zu reden. Ich werde mich also darauf einstellen müssen, dass ein
zu 5/9 fertiges Buch einen neuen Titel bekommt. Hm.
Ich hätte meine Figuren vielleicht besser erziehen sollen, die tanzen mir doch auf der
Nase herum...
Die Gewandschneiderin - September 2009
Ein Viertel des Romans ist geschafft. Ich habe schon etliche Listen und Kladden angelegt, damit die Details und Zeitmarken nicht durcheinanderkommen. Für die Charaktere brauche ich gerade noch keine Liste, die sind so goldig, dass ich sie mir so merken kann.
Zum Beispiel der dicke Mönch Johann; wie könnte man den armen Kerl vergessen, Gott hab´ ihn selig?
(Ups, habe ich jetzt zu viel verraten?)
Eines frage ich mich aber schon die ganze Zeit. Es gibt so viele Widrigkeiten in Annas Leben, wie soll sie das nur alles durchstehen?
Und wann geht es endlich mit der Näherei los? (Also, mit richtigen Gewändern, nicht mit dem blöden Gebende- nähen?)
Es ist wie schon beim letzten Roman. Ich weiß zwar theoretisch, wie es ausgeht, aber erst der ausgeschriebene Text macht das Buch zum Buch.
Und ja: wenn ich es geschrieben habe und das fertige Buch in die Hand nehme, werde ich beim Lesen wohl wieder überrascht sein.
Entweder, weil Schreiben viel mit Intuition zu tun hat und im Entstehungsprozess gar nicht so bewusst wahrgenommen wird, oder - und das ist wahrscheinlicher - weil ich in etwa das Gedächtnis einer Fruchtfliege habe…
Die Gewandschneiderin - August 2009
Alles läuft gut. Heute habe ich von einer gaaanz bekannten Schreiberin historischer Romane, mit der ich zusammen im Montségur Autorenforum bin, ein Lob für den Einstieg zur Gewandschneiderin bekommen.
Das motiviert mich natürlich, und jetzt fliegen die Finger schon wieder über die Tasten.
Die Gewandschneiderin - Juli 2009
Die Entwurfsphase ist abgeschlossen, es geht ans Aufschreiben. Ängste treiben mich um. Leser/ innen von historischen Romanen sind (zu Recht) kritisch. Was, wenn ein Detail nicht stimmt? Spannend allein genügt nicht, ich will die Zeit wiedergeben, zeigen, wie es gewesen sein könnte…
Ich werde einfach weiter stundenlang recherchieren, das beruhigt mich und tröstet mich darüber hinweg, dass ich nicht Geschichte studiert habe.
Die Gewandschneiderin - Juni 2009
Die Vorarbeiten zu "Die Gewandschneiderin" sind im vollen Gange.
Ich muss die Arbeiten an Julie II wohl ruhen lassen, denn in meinem Kopf ist offensichtlich nur Platz für eine Geschichte solcher Intensität.
Faszinierend, wie die Figuren ein Eigenleben entwickeln. Kaum habe ich einen Charakter geschaffen, macht der auch schon was er will.
Gut, dass die sich wenigstens grob an den Rahmen halten, den ich ihnen stecke…
Julie- Mittsommernacht in Tallyn - 30.04.2009
Band zwei zu Julie wird "Die dunkle Seite von Tallyn" heißen und ist parallel zu "Die Gewandschneiderin" in Arbeit.
Julie- Mittsommernacht in Tallyn - 30.08.2008
Nach den ganzen Sachbüchern ist er endlich fertig: mein erster Roman!
Das Cover von Tanja Meurer (zeigt Julie beim Schuss der Parther) ist fantastisch geworden.
Auch die von ihr gestaltete Karte ist der Wahnsinn…
Hier geht es direkt zur Homepage von Julie- Mittsommernacht in Tallyn:
www.tallyn.de
Am Gewinnspiel auf www.fantasyguide.de haben über 40.000 (!) Menschen teilgenommen.
Danke dafür!
Die Gewinner haben ihre Preise bekommen. Zur Rezension des Buches durch Nina Horvath geht es hier:
http://www.fantasyguide.de/7239.0.html
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Bild oben: Anna aus "Die Gewandschneiderin" von Tanja Winkler